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Der Weg der Unselbständigkeit

Der Kaugummimensch
(Oder der Weg zur Unselbständigkeit
über das Kauen ohne Verdauen/Vertrauen)

Er klebt, wo er steht
Will stets gekaut sein
Lässt sich ziehen und kneten
Wird hart wenn er austrocknet
Denn er braucht stets Speichel

Will immer dabei sein
Hält sich an allem fest
Zwischen den Zähnen ist sein Reich
Lässt sich kauen ohne Klagen
Kann aber nicht all zu viel ertragen

„Bitte, bitte kau mich“
Hört man ihn stets sagen
Selbst verdauen kann er nicht
Hat kein Selbst mehr
Gab es für andere her

Er kann sich nicht wandeln
Lebt immer nur vom Speichel der anderen
Er hört seine innere Stimme nicht
Die Stimme die zu ihm spricht:
„Du leidest nur an deiner falschen Einstellung“

Zurück zur Stille

Zurück zur Stille

Das Klagen so laut
Stimmen der Nacht

Schreiend und klopfend
Vor der Tür des Herzens

„Herz, du sollst meine Amme sein“.
Das Herz ließ Elend und Angst herein.

„Willst du mein Krieger sein?“
Fragten bekümmert Elend und Angst.

„Es tut mir leid“, sprach das Herz.
„Zum Krieger bin ich nicht geboren“.

„So erlöse uns von unserem Leid, o Herz“,
Flehten Elend und Angst.

„Erlöser und Magier sind auch nicht in meiner Kraft,
Das ist die Kraft, die jeder selbst in sich hat“.

„Wie werden wir frei, von diesen Qualen“,
Begehrten Elend und Angst zu wissen.

„In der Stille, nur in der Stille“, antwortet das Herz.
„Horche allein der Stimme in der Stille“.

„Wie entkommen wir dem Kampf und dem Untergang,
Klagten Angst und Elend.

Da warf das Herz sie ins tiefe Meer und sagte:
„Gar nicht!“

Der Abschied vom Wort

Abschied vom Wort

Worte sind nur Hülsen

Worte sind nie wahr

Glaube ihm kein Wort

Worte sind flüchtig

Wahrheit ist hinter den Worten

Wahrheit ist ohne Worte

Worte sind das Sein

Wahrheit ist transzendent

Am Anfang war das Wort

Am Ende war es nur Schein

Leben ohne das wahre Wort

Ist Leben in der Fülle

In Transzendenz leben

Ist Überschreitung des Wortes

O m

Allein im Nebel

Allein im Nebel

Nichts, dass mich führt
Nichts, das mich hält
Im Nebel die Welt

Und doch kein Bangen
Und doch kein Verlangen
Im Nichts geborgen

Niemand nimmt mich wahr
Kein Ruf ist hörbar
Im Nichts ist mein Sein

Ohne Sicht in die Ferne
Ohne Bindung an die Nähe
Frei im Schleier des Nebels