Archiv der Kategorie: Aphorismen

Aphorismen 20 – 22

20
Selbsterkenntnis ist die wirklich BILDENDE Kunst.

21
Die meisten Menschen betrachten lieber die Kunst der anderen als an ihren eigenen Fähigkeiten zu arbeiten.

22
Wer immer nach oben in das Himmlische schaut und darin sieht, wie es sein sollte, sieht die Erde und ihren wahren Reichtum nicht. Er kann sich selbst, seinen eigenen Geist und Körper, nicht erkennen, da er von einem, seiner eigenen Natur nicht entsprechenden Licht, geblendet ist.

Weisheit aus dem Logbuch

Lieber Unsinn als gar keinen Sinn.

Alles ist im Fluss der Höhen und Tiefen.

Leben verändert sich, nichts bleibt stehen. Wer meint, es bliebe etwas stehen, sollte seine Wahrnehmung überprüfen.

Unsicherheiten im Leben aushalten, denn wo kein Ziel ist, sondern nur der Augenblick, da entstehen viele Unsicherheiten in Gedanken.

Gedanken brodeln wie ein stets aktiver Vulkan. Im Unterscheid zu diesem, kann man sie löschen wie Schnappschüsse.

Meinungen und Vorurteile sind die Glut des Hasses.

Das wahre Glück sucht sich meist ein einsames Plätzchen.

Es ist schön auf dem Lande zu leben und den Geist der Natur zu bewundern.

Der Zeitgeist spielt sich in den Städten ab. Auch deshalb werden die Menschen von den Städten angezogen. Aber was ist Zeitgeist mehr als die Hirngespinste eines Don Quijote?

Auch der Stadtmensch sollte es nicht versäumen, seinen Blick über den Stadtrand hinaus zu richten. Außerhalb der Stadt liegt mehr als ein Vorurteil, dort kann Weisheit liegen. Eine natürliche Weisheit, die sich gegen die geschaffene Armut (geistige und materielle) in den Städten richtet.

Der kapitalistische Zeitgeist mit seiner Ausbeutung der Natur ist die Spitze einer den Geist der Natur diskriminierenden Bewegung, die in der Spaltung von Subjekt und Objekt gipfelte.

Aphorismus 19; Leben ist…

Leben ist

schöpferisch und sucht nach schöpferischen, d.h. auch Leben erhaltenden Lösungen. Da alle Lebewesen somit auch schöpferisch sind, liegt jedem Wesen die Kreativität inne. Wer sich auf der schöpferischen Ebene befindet und dort sein schöpferisches Leben leben kann, leidet nicht mehr, denn sein Weg ist nicht der Leben erleidende, sondern eine schöpferische, die Dinge angehende und neu schaffende Lebensweise.

Aphorismus 18

Kunst ist
eine Möglichkeit des rationalen Menschen das Leben zu verstehen. Sie entstand entweder als Abbildung des Erlebten oder Gesehenen und entwickelte sich zur Integrierung des Unbewussten oder besser: des Lebens. Sobald der Mensch die Dinge und sich selbst sehen kann, wie sie/er sind/ist, bedarf er der Kunst nicht mehr als Ausdrucksmittel. Er ist dann sich selbst und seiner eigenen Weisheit genug.
Kunst ist wie Wissenschaft eine Form des Verstehens, was geschieht; sowohl innen, wie außen. Sie haben das Ziel der Befreiung und Erleichterung. Das menschliche Streben nach Erlösung liegt beidem zugrunde – eine „göttliche“ Erlösung. Dieses Streben macht seine Kultur und Kultivierung aus. Erkennen, Weisheit, Wissen ist mit Erlösung verbunden. Die Erlösung aus einer zwanghaften Verbindung. Künstler, Wissenschaftler, jeder Erkennende erlöst sich mit seinem Werk und fühlt sich mit der Vollendung befreit.

Aphorismus 17

Vom Schöpferischen

Alles, was ich tue oder auch der andere tut, liegt rein im Ermessen einer höheren schöpferischen Kraft. Daher ist alles Zelebrieren der Kunst gequirlte Scheiße und „den“ Künstler gibt es dabei schon gar nicht. Wir unterliegen alle der gleichen schöpferischen Kraft. Der Macht, zu sein, was wir sein sollen. Da gibt es nichts zu zelebrieren. Schon gar nicht, dass einer mehr sein soll als der andere.
Es liegt an der höheren Schätzung des Schöpferischen im Gegensatz zum Empfangenden, das dass Männliche mehr Wert und Achtung bekommt gegenüber dem Weiblichen.
Da es zwei Seiten einer Medaille sind besteht die Wertschätzung des schöpferisch Männlichen zu unrecht. Sie führt in der Kunst (und Technik) sogar zur Hybris, da sich „der“ Künstler zu sehr mit seinem Werk identifiziert entsteht viel Unsinn in diesem Bereich. Die Entwicklung in der Kunst ist ein Übergang. Ein Übergang zur Einheitswirklichkeit.

Noch haben die Hervorbringungen des Menschlichen, allzu Menschlichen, einen zu hohen Stellenwert in der Kunst. Sie ist aber, wie jedes Symbol, ein Beispiel für das Schöpferische. Einer eigenen Erkrankung (Erkrankung ist auch ein Symbol) kann man oft mehr entnehmen als einem Kunstwerk, es sei denn, man hat es selbst erschaffen und geht über eine bloße Identifizierung mit seinem Werk hinaus. Alles das, was ich nicht gewollt habe, wie z.B. die Erkrankung ist auch ein schöpferischer Akt, auch wenn es zunächst nicht so scheint. Hier liegt die „Kunst“ in der Akzeptanz des Empfangenden, des Weiblichen, der anderen Seite der Medaille, die auch zum Schöpferischen gehört, die aber in unserer Gesellschaft sehr gerne und zu schnell eliminiert oder verdrängt wird. Was ist es schon wert, das bloße Sein ohne die männlich „schöpferische“ Wertgebung? Was ist es schon wert, was nicht vom Menschen (männlich „schöpferisch“ Wertvollen) ge-macht und über das er deshalb keine Macht hat? Muss er nicht auch das Akzeptieren, das Empfangen, lernen – der Mensch? Ein Empfangen, das über seine Macht hinausgeht und doch zum Schöpferischen hinzuzählt. Wie sollte sonst „der“ hoch gelobte Künstler sein Werk schaffen können, wenn er und sein Werk nicht vom Empfangen leben? Der Mensch (auch das männlich Schöpferische) empfängt mehr als er sich eingestehen will, denn er empfängt selbst dieses Schöpferische. Dazu bedarf es aber der Demut um für das Empfangende offen zu sein. Aber Demut bedarf des Mutes und nicht dem Willen zur Macht. Im Mut sich selbst auszuhalten ohne zu handeln, durch Zurücknahme der Projektionen. Im Mut zu sein der man ist und nicht der, der man gerne sein möchte.

Jeder ist Künstler aber nicht eigenständig Schaffender. „Der“ Schaffende ist nicht der Schöpfer. Erst in der ungeteilten Einheit, der Aufhebung der Dualität, befindet sich der Mensch auf der schöpferischen Ebene (männlich) auf der das Schöpferische empfangen und geboren wird (weiblich). Erst auf dieser Ebene sind beide eine ungeteilte Einheit. Erst hier erkennt der Mensch, dass auch alles das, was er ungewollt erfährt, schöpferisch ist. Hier hört alles Schöpferische auf, bloße Kunst zu sein, hier wird es Leben. Hier ist der Mensch nicht mehr erstaunt über das was ihm geschieht, denn hier ist alles Schöpfung und damit stets eine Einheit von Sein und Idee. Dazu zählen auch die schlimmste Krankheit und der Tod. Das Schauen der Ideen wird zum Schauen des für den je Einzelnen bestimmten Lebens. Solange der Mensch noch von der Welt getrennt in einer Dualität lebt, braucht er die Kunst; erst in der Einheit wird er zum Schauenden allen Lebens, vielleicht auch des Todes.

So schafft das Schöpferische unentwegt, ob mit oder ohne menschlichem Bewusstsein, denn erst das Bewusstsein trennt Sein und Idee. Mit Hilfe des Bewusstsein lassen sie sich auch wieder zusammenfügen aber nicht mit dem Bewusstsein alleine. Dazu bedarf es mehr, vor allem dem Mut zur Demut. Erst wenn das Empfangene und sei es noch so ungewollt, angenommen und akzeptiert werden kann, ist das Leben schöpferisch. Denn auch das Empfangen der Ideen, die das Empfangende begründen, gehört zum Schöpferischen (das beste Beispiel hierfür ist die Wissenschaft). Das Schöpferische ist ungeteilt und verwirklicht sich im Leben; wahrscheinlich über den Tod hinaus.
Insofern stellt das Schöpferische die höchsten Anforderungen an den Menschen, denn er muss all das Fremde, Ungewollte, Banale und Gehasste in sich aufnehmen als sein eigenes. Es gehört zur Einheitswirklichkeit ebenso dazu wie alles Seelische in dem Körper und Geist vereint sind. Hier wird das Schöpferische zum Sinn.