Archiv der Kategorie: Allgemein

Über das individuelle und freiwillige Opfern

(Hier nicht im Sinne eines religiösen Rituals)

„Die Moral eines Menschen ist zu beurteilen nach der Fähigkeit, welch großes Opfer er zu bringen bereit ist, ohne dabei an eine Gegenleistung zu denken.“ Konrad Lorenz, „So kam der Mensch auf den Hund“

„Ein Mensch ist immer das Opfer seiner Wahrheiten.“ Albert Camus, „Der Mythos von Sisyphos“

Ergänzende Anmerkung in Anlehnung an die analytische Paychologie: Anschauung über Moral

Der Begriff der Moral ist ursprünglich die lateinische Übersetzung des aus der griechischen Philosophie kommenden Begriffs der Ethik. Die Ethik geht der Frage nach, wie Menschen Lebenssituationen richtig beurteilen und darin sittlich handeln können. Ethik beschäftigt sich auch mit der Frage nach dem sinnvollen Leben. Sie konzentriert sich auf die mögliche Verwirklichung des Guten. In der Antike war die Ethik in der Schöpfung gegeben und seit Kants kategorischem Imperativ sollte sie durch die Vernunft des Menschen verwirklicht werden. Unter Moral werden die sittlichen Grundregeln verstanden, die der Einzelne für sich und sein Leben mit anderen annimmt. Von daher gibt es viele moralische Grundhaltungen. Es ist also die Frage, was in der Moral wirkt, die gepredigte Zurückhaltung von einer Zügellosigkeit oder eher eine innere Not, welche die Wirklichkeits-Grenzen setzt die überzeugender ist als jegliche moralischen Grundsätze?

Die animalischen Triebkräfte aus der Verdrängung ins Bewusstsein zu holen, heißt daher, sie nicht mehr zu verdrängen, noch sie auszuleben, sondern sie in ein sinnvolles Ganzes einzuordnen. Dies wird dann auch dazu führen, dass der Mensch seine eigenen Schattenseiten besser erkennt und damit den anderen auch besser verstehen lernt. Man ist doch all zu sehr geneigt, die eigenen Vergewaltigungen, die man der eigenen Natur antut auch auf die Anderen zu übertragen. Die Moral ist insofern eine Funktion der menschlichen Seele und so alt wie die Menschheit. Es ist nicht das Gesetzt a priori im Menschen vorhanden, sondern das moralische Wesen ohne das ein Zusammenleben gar nicht möglich wäre.

Erst mit dem Erreichen des Bewusstsein und dessen Relativität entsteht der moralische Konflikt, der nicht durch Gesetze und Regeln zu lösen ist. Die eigentlichen individuellen moralischen Probleme treten ja erst dann auf, wenn das Individuum sich gegen kollektive Normen abgrenzen muss, wenn es sich nicht an Autoritäten, Regeln und Gebräuchen anlehnen kann. In diesem Konflikt muss das Individuum möglicherweise etwas opfern, vielleicht gerade sein moralisches Selbstbewusstsein oder auch die Illusion eine freien Ich-Willens. Demnach stellt sich das Problem der Moral dann, wenn der Mensch vor der Entscheidung steht, was er werden „kann“ im Gegensatz zu dem, was er werden „wird“, wenn er ohne Reflexion seine Entscheidungen aufrecht erhält. Jeder Mensch wird dazu aufgefordert moralische Entscheidungen in Übereinstimmung mit sich selbst zu bringen, denn der Konflikt der Gegensätze wirft schon das moralische Problem der Persönlichkeit auf.

Spuren im Sand – Gedanken in Muße zur Muße

(Ein Beitrag zur Selbsterkenntnis)

Ich habe mich jetzt 1 Woche, ebenso wie der Leser, mit der Muße beschäftigt und die Augenblicke „passiv“ auf mich zukommen lassen, ob sich mir selbst die Muße in irgendeiner Weise fassen lässt, sie mich innerlich ergreift und wandelt. Es waren die Nächte, in denen sie mich aufmerksam werden ließ. Es war für mich ein ebensolcher Versuch, wie es alle Dinge im Leben erfordern über die man sich eine eigene Ansicht bilden muss, weil man innerlich dazu aufgefordert wird, die man auch selbst vertreten kann, die sich also aus dem eigenen Selbst passiv aber als notwendig, ergibt; dies ist immer ein einsames Wagnis! Außer sich selbst hat man kein Netz, dass einen auffängt. 

Warum ich auf dieses Thema stieß? Diese Frage läßt sich mir nur durch die Selbstregulation meines seelischen Inneren also aus Passivität beantworten. Es war wohl die richtige Zeit dafür, die Zeit der Befruchtung, die ich unbewusst spürte. Es war kein bewusstes Herangehen mit einem bestimmten Ziel. 
Jedes angeführte Zitat der letzten Tagen fügt sich mir in eine seelische Selbstregulation sowohl des Autors als auch des Lesers und es ist kein Zufall, dass man dies liest oder daran arbeitet, ebensowenig wie all das kein Zufall ist, was man unbewusst tut. Tut man es in Muße und aus Muße, d.h. man schaut sich genau an, was man da tut, wird es zu einem prozesshaften Geschehen, das, wie Schlegel es nennt, im „Paradies“ endet.

Im Müßiggang leben bedeutet, in Freiheit zu leben, der man von Natur aus ist!

Diese Freiheit, zu sein, der man ist, umfasst den ganzen Menschen, d.h. das Bewusste und das Unbewusste sind in diese Freiheit eingeschlossen. Denn erst die Freiheit in der Muße erfasst aktiv die Passivität, so dass sich der Müßiggänger frei in seinem Handeln entscheiden kann. Diese durch das Zusammentreffen von Aktiv und Passiv oder Bewusst und Unbewusst, entstandene Freiheit in der Entscheidung, ist es, die glücklich macht, da man sich an nichts gebunden fühlt – alle Ketten und damit Verhaftungen sind gesprengt. Man ist darin authentisch und weiß, was man tut, im Gegensatz zu dem, „denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Damit schließe ich auch die Freiheit ein, den Rat eines anderen erst abwägen zu können und mehr ich Selbst zu sein. Dies entfernt mich von unüberlegtem egoistischem Handeln, da ich in meine Entscheidungen auch Anderen mit einbeziehe; es entfernt mich aber auch gleichzeitig von Hörigkeit, in der ich mich selbst außen vor lasse. Diese gilt für alle Fragen des Lebens.

Muße bewegt sich nie in eine Richtung, sondern in Gegensätzen. Die Gegensätze machen erst ihre bewegende Kraft aus – das Gute folgt dem Bösen und umgekehrt, wie sich im „schlechten Gewissen“ zeigt. In Muße befinde ich mich ja nicht nur in guten Zeiten, auch in den lasterhaften und schlechten Zeiten ist sie mein Antrieb. Erst wenn der Drang zur Zerstörung zur positiven Kraft wird entsteht das künstlerische und damit schöpferische Werk. Erst die schöpferischen sind die „göttlichen“ Taten, die nichts aus Absicht tun. 
In der Muße ist man sich selbst Pfadfinder auf einem Weg des nutzlosen Nutzens oder eines schöpferischen Nichtstuns. Ein stetes Kommen und Gehen. Nichts, das man aufhalten kann, nichts, das man will und doch weiß man, was man tut. Jeder folgt seinen eigenen Spuren und seine Abdrücke sind das, was er im Sande festhält um sich dann wieder auf ein neues Geschehen einzulassen. 

Im Müßiggang folgt man dem was ist und nicht dem, was sein soll; man ist im hier und jetzt und da ist alles, wie es sein soll. In der Muße sind die Dinge nicht voller Hoffnung eines aufgeblähten Ich, wie etwas werden sollte, es herrscht kein Gedanke in bloßen Vorurteilen oder Meinungen, sondern in ihr ist, was ist. Ein Anspruch auf Wahrheit und damit Veränderung hat keine Priorität. Die Muße sucht nicht, sie ist das Ergebnis der Suche. Sehnsucht und Leid werden zur beschaulichen Kraft. Man fügt dem Leben nichts hinzu und nimmt ihm nichts weg und wird doch vollständiger, zu Recht ein heiliges Kleinod, wie Schlegel meinte, das uns aus dem Paradies geblieben ist.

Oder: was wie ein Laster beginnt, endet in einem vollständigeren Menschen.

In Muße zu leben, hebt den Zufall auf und das Leben wird selbstbestimmter, nicht zu verwechseln mit ichbestimmter. 
In der Muße kann man sich stets nur vorfinden. „Ich finde mich in der Situation, in dem Gedanken vor, in dem ich gerade bin.“ Dies bedeutet, dass in diesem Moment nicht mein Ich mit seinem Machtstreben über mich herrscht, sondern es umfasst mich das Sein, wie es gerade ist. Ich kann mich lassen. Insofern muß man das Beobachten der Muße, die eine mindestens ebenso große Macht wie das Ich besitzt (wenn nicht eine Größere), zunächst zu akzeptieren erlernen und dann versuchen ihr zu folgen. Ich folge also dann nicht mehr nur meinem Ich, in seinem Drang nach stetem Verändern-Wollen sondern der Wandel kommt aus meinem Innersten, durch die Selbstbetrachtung in der Muße. Es ist der Wandel durch Passivität. Ich lerne durch das Anschauen der Passivität, die Dinge zu sehen wie sie sind und nicht, wie sie sein sollten. Der Drang des Ich herrschen und beherrschen zu wollen, tritt dann immer mehr in den Hintergrund. Jetzt übernimmt die Passivität oder die Muße die Führung. Ebenso wie ein Schriftsteller seine Handlungsfiguren in seinen Werken passiv schafft, so schafft die Muße den Lauf des Lebens. Große Gedanken kommen aus der Passivität, sie lassen sich nicht durch Wollen und Agieren produzieren. Deshalb wohl Goethes Rat, an den Tagen an denen man nicht „in Muße“ leben kann und nicht aus der Passivität schaffen kann, lieber im Bett zu bleiben und die Zeit zu verschlafen. Goethe kannte wohl den „geschäftigen Müßiggang“ sehr gut und wußte ihn von aller Veränderung durch ein Wollen zu unterscheiden. Insbesondere, was sein künstlerisches Schaffen und damit Werden anbetraf. Ich denke er wurde durch seine Kunst aus der Muße und dem daraus resultierenden prozesshaften Schaffen, zu dem, was er auch in seiner Persönlichkeit war. So erging es wohl allen großen und damit weisen Menschen.

Ein Wollen führt zum herrschen und beherrschen wollen, die Muße führt zum gelassenen Lassen können, in dem selbst der Wandel gelassen hingenommen werden kann.

Dabei möchte ich meine Meditationen heute belassen. Die Zeit, die ich mir gab, war zu kurz.

Weitere Gedanken kommen, wenn sie kommen. Ich möchte sie nicht forcieren oder weiterhin mich und den Leser in Zitaten oder sonstigen Assimilationen wiederfinden. 

Eine Eigenschaft der Muße: sie hat Zeit, viel Zeit.

Daher möge es mir verziehen sein, es mit dem einen Zitat aus der Zen-Weisheit zu beenden, das die Muße für mein Verstehen und dem, was ich oben sagen möchte, sehr treffend formuliert: „Wer still sitzt und nichts tut, sieht wie der Frühling kommt und alles wächst von selbst.“

Die Kunst als der mittlere Weg

Die Entäußerung in der Kunst ist für mich der mittlere Weg, in dem weder These noch Antithese seine Gültigkeit haben sondern die dritte Wahrheit des mittleren Weges. Dies bedeutet die Transzendenz jeglichen diskriminierenden Denkens, das aber in der Kunst auf dem Weg des mittleren Weges sowohl an Bedeutung gewinnen als auch verlieren kann. Denn hier wird die Transzendenz materialisiert und verliert an Bedeutung weil sie bedeutend war. Die Kunst lässt durch ihren Ausdruck die Dinge überwachsen.

Die Kunst und die Ganzheit

Das Ziel des kreativen Schaffens ist nicht alleine meine Kunst, es ist nicht deine Kunst, es ist das Gesamtkunstwerk der Menschheit als dem Ebenbild des „Göttlichen“ oder der Ganzheit. Jeder Ausdruck in der Kunst eines Künstlers strebt nach individueller Ganzheit, Vollständigkeit , dies ist der SELBST-Zweck der Kunst, der aber auch als Bereicherung des Künstlers erfahren werden sollte. Dadurch entsteht eine kulturelle Evolution, die nicht aufgezwungen ist. Das lässt sich auch auf die Wissenschaften übertragen. Essenz: Es ist etwas im Menschen und auch außerhalb des Menschen (Universum) vorhanden, dass nach Ganzheit/Vollständigkeit strebt ohne dass dem Menschen diese aufgezwungen werden muss. Das Mittel und der Ausdruck dessen ist die Kunst.

Ich unterhalte nicht!

Ich unterhalte (i.S. von zerstreuen) nicht! Ich möchte berühren, angreifen, antasten, etwas anfassen (von leicht bist fest) und vielleicht provozieren. Wenn jemand sagt „wie kann man nur so [etwas] schreiben?!“ sollte dies für ihn selbst die Aufforderung sein über sich (sein tiefstes Inneres, wenn er denn schon einen Zugang dazu gefunden hat) nachzudenken und selbst versuchen zu tun, was er tun muss. Alles, was ich hier tue, versucht nicht perfekt zu sein, da das Perfekte nicht wahrer ist. Ganz im Gegenteil, es ist ein trügender Schein.

Erläuterung zu Wandlungspunkte

Was ich hier veröffentliche erhebt keinen literarischen Anspruch im herkömmlichen Sinne. Da dieser nicht mein Ziel ist. Mein Ziel ist das Werden der eigenen Person akzeptieren zu lernen. Dieses beinhaltet das Fließen lassen all dessen, was ist, was kommt und was damit sein soll. Dazu sind jegliche Korrekturarbeiten am Gedanken oder an Bewusstseinsinhalten unerheblich. Das Aufnehmen und Festhalten der eigenen Reflexionen ist zunächst das Ziel sollte dann aber als steter Fluss des Seins ohne sich daran festzuhalten angesehen werden können. Das Ich wird so zum steten Beobachter seiner selbst ohne sich an einer Sache festhalten zu müssen.
Alles hier Geschriebene ist freier Fluss und fließt ins Meer der Worte und Inhalte. Es wird damit irgendwann immer bedeutungsloser, da das Ich alles fließen lassen kann. Jegliche Korrekturen zu einem literarischen Werk würden diesen Prozess nur stören und aufhalten, da kein korrigierter Gedanke besser ist als der vorherige, unkorrigierte.
Zur Darstellung der Reflexionen sind mir alle Mittel erlaubt. Außer vielleicht mich selbst, verletzen sie niemanden. Da sie ins Meer der Worte und Gedanken fließen, kann sich jeder darin wiederfinden und mit mir in dieses Meer eintauchen. Ein Meer, das zur Freiheit von jeglichem Festhalten führt.
Hier soll dieses Meer sich füllen und jedem die Möglichkeit geben sich darin zu verlieren.

(Vgl. hierzu auch meine Seite hier auf dieser Webseite: „Mondlicht“ als Grundlage meiner weiblich-lyrischen Philosophie)