Aphorismus 31

(Ergänzung zum Gedicht „Vom Tod“)

Wenn das Schöne an etwas gebunden ist, ist es nicht schön im eigentlichen Sinne, denn Schönheit befreit. Die gebundene Schönheit macht aber abhängig, deshalb ist sie ein bloßes an empfundenes Plagiat.
Bindung ist nur dann schön, wenn sie zur Schönheit und das heißt zur Freiheit führt. Diese Bindung wird aber oft als unangenehm empfunden, denn im Grunde sucht der Mensch seine gebundene Schönheit. Eine Schönheit an die er gebunden ist.

Vom Tod

Schnee fällt in dicken Flocken
Leben vor Kälte erstarrt
Kein Weg in Sicht

Den Tag tot geboren
Unberührte Schneeschicht
Keinerlei Spuren

Ruhe unter der Last
Nichts das sich regt
Leise rieselt der Schnee

Den Tod bedeckt
Unter weißer Pracht
Das Neue wird geboren

Der kalte Tod in seiner Pracht
Hat wieder jungfräulich gemacht
Neues Leben wird kommen

Der Tod hat sein Werk vollbracht
Und den Tag lebendig geziert
In der Sonne vollkommenem Licht

Selbstgespräch

Gespräch mit dem Selbst
(Selbstgespräch)

es stürmt
die waage pendelt im lot
es wurde bereits alles gesagt
kein sturm trägt dich fort

der blick in den spiegel des lebens
zeigt deine tiefe gegenwart
im EINEN EWIG SEIENDEN
wir brauchen uns im spiegel

auch kein wort das anders wäre
kann dich je treffen
das ziel: des menschen good im sinn
wir brauchen uns: diesem god zu folgen.

Fassaden

Die Stadt, die so viele
Fassaden hat
So trügerisch war
das Leben
hat man sich
Ihr hingegeben

Von außen besehen
alles neu und schön
Fortschritt wurd‘ genannt
was dem Herzen unbekannt
Die Fassade war zu schön
Das Innerste musste gehen

Keiner hört mehr zu
Lebt Fassade im Nu
Diesem Gotte geweiht
Was das Innerste befreit
Fassaden klettern hoch hinaus
bringt der Freiheit den Garaus

Aber: Die Fassade ist schön!